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Homophobie im Alltag oder “schwules Blut in fremde Adern”

“Homo- und bisexuelle Männer dürfen kein Blut spenden. Das ist einfach so”. Diesen Satz habe ich in letzter Zeit leider sehr oft gehört.

Als ich heute meine Jahresuntersuchung im Plasmaspendezentrum hatte, durfte ich mir von der Ärztin dann “Argumente” für diese Regelung anhören: Das Risiko sich von einem homosexuellen Mann bei geschütztem Geschlechtsverkehr anzustecken sei ja viel höher als das Risiko sich bei geschütztem Geschlechtsverkehr mit einer Frau anzustecken. Dies liege an den “komischen Praktiken, welche die betreiben”.

Weiterhin hätten ja 90% der homosexuellen häufig wechselnde Geschlechtspartner, selbst wenn sie verheiratet sind. Somit sei es okay einen monogamen homosexuellen Mann, der seit 5 Jahren in einer Beziehung oder eingetragenen Lebenspartnerschaft ist, gegenüber einem monogamen heterosexuellen Mann, der seit 5 Jahren in einer Beziehung oder Ehe ist, zu diskriminieren. Schließlich seien es doch alles nur medizinische Gründe, die für den Ausschluss von homosexuellen Männern, sprechen.

Ich solle mir doch mal die Frage stellen, ob ich lieber Blut von einer Person aus der sogenannten “Risikogruppe” haben wollen würde oder lieber gesundes, 100% sicheres Blut. Dabei stellt sich in Anbetracht der derzeitigen Blutsituation wohl eher die Frage: Nehme ich das Blut eines monogamen Homosexuellen oder lieber gar kein Blut?
Als ich als Spender geworben wurde, sagte man mir  immer, wie wichtig es ist, dass ich Blut spende, weil es immer noch viel zu wenig Blut- und Blutplasmakonserven gibt. Dann frage ich mich doch: Wieso schließt man Männer allein auf Grund ihrer sexuellen Orientierung aus und pauschalisiert alle Männer, die einmal in ihrem Leben sexuelle Aktivitäten mit einem anderen Mann hatten! Wieso darf ein 50 Jahre alter Mann, der mit 20 Jahren geschützten Geschlechtsverkehr mit einem anderen Mann hatte und nun seit 20 Jahren monogam mit seiner Frau verheiratet ist, kein Blut oder Blutplasma spenden?

Oder anders ausgedrückt: Ein Mann der häufig seine Partnerinnen wechselt und somit ein hohes HIV-Infektionsrisiko hat darf spenden, während ein monogamer homosexueller Mann, der nur geschützten Geschlechtsverkehr hat und somit nur ein minimalistisches Risiko einer Ansteckung beim Geschlechtsverkehr hat, von der Spende lebenslang ausgeschlossen wird.

Das Robert-Koch-Institut begründet diese irrwitzige Richtlinie mit der HIV-Neuansteckungsstatistik. Darin steht durchaus, dass 70% der neuen Infektionen mit dem Immunschwächevirus auf homo- und bisexuelle Männer zurückgehen. Doch allein diese Zahl reicht nicht aus, um pauschal alle homo- und bisexuellen Männer zu diskriminieren. Denn in dieser Statistik steht zum Beispiel auch, dass von allen Neuinfektionen 62% Männer und nur 38% Frauen sind. Sollte man nun generell alle Männer ausschließen, weil diese, statistisch gesehen, ein höheres Infektionsrisiko haben, als Frauen?

Auch die europäische Kommission hat in einem aktuellen Urteil festgestellt, dass ein pauschaler Ausschluss aufgrund von sexueller Orientierung und nicht aufgrund des eigentlichen Risikoverhaltens, nicht mit dem europäischem Recht übereinstimmt. Ein statistisch hohes Risikoverhalten ist dabei keine Richtlinie, sondern es kommt, gerade in Zeiten knapper Blutkonserven, auf das tatsächliche Risikoverhalten an.

Wer Blut spenden möchte und nicht durch sein Verhalten oder bestimmte Erkrankungen ein tatsächliches Risiko für die Empfängerinnen darstellt, sollte auch Blut oder Blutplasma spenden dürfen!

Weitere Informationen zu diesem Thema unter www.schwulesblut.de und der Antrag der Grünen Jugend zu dem Thema