Meine Kritik an der Misereor Kampagne

969edada88 Seit einigen Wochen muss ich schon an einem Plakat mit einer sehr prägnanten Überschrift vorbeifahren. Auf dem Plakat schaut mich eine nette Nonne an und möchte mir folgendes weiß machen: “Gott kann nicht alles regeln. Für uns bleibt genug zu tun.”.

Und jedes mal, wenn ich dieses Plakat sehe, frage ich mich: Was soll diese Aktion?
Die genannte Kampagne kommt von der katholischen Hilfsorganisation MISEREOR.

Wikipedia weiß folgendes über Misereor:
“Das Bischöfliche Hilfswerk Misereor e. V. (lat. misereor: „Ich habe Erbarmen“) ist eines der größten Hilfswerke der Katholischen Kirche in Deutschland und hat seinen Sitz in Aachen.
Nach dem Prinzip der Hilfe zur Selbsthilfe unterstützte Misereor seit seiner Gründung im Jahr 1958 ca. 90.000 Projekte in Asien, Afrika, Ozeanien und Lateinamerika. Das selbsterklärte Ziel Misereors ist es, den Ärmsten der Armen zu helfen und gemeinsam mit einheimischen Partnern Menschen jedes Glaubens, jeder Kultur und jeder Hautfarbe zu unterstützen. Jedes Jahr erreichen Misereor etwa 6000 Projektanfragen. In der Misereor-Geschäftsstelle Aachen arbeiten ca. 300 katholische und evangelische Christen. Die jährliche Fastenaktion soll den katholischen Pfarrgemeinden die Lebenswelt der Menschen nahebringen, die unter Armut und Ungerechtigkeit zu leiden haben.”
Nun stellt sich bei mir eine große Frage: Wieso behauptet eine katholische Hilfsorganisation bei der 300 ChristInnen hauptamtlich arbeiten, dass Gott nicht alles regeln kann?

Natürlich wird dieses Problem schon mit der Theodizee Frage aufgegriffen, doch dass die Allmacht Gottes nun durch eine Einrichtung der katholischen Kirche in Frage gestellt wird, gibt mir zu denken.
Sowohl im alten, als auch im neuen Testament wird von einem allmächtigen Gott gesprochen:

„Ich bin der allmächtige Gott“ (1 Mose 17,1)

„Ich bin das A und das O, spricht Gott der Herr, der da ist und der da war und der da kommt, der Allmächtige“ (Johannes-Offenbarung 1,8).

Sogar im Glaubensbekenntnis heißt es:

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde. (…)

Doch wie kommt Misereor dann dazu, diese Allmacht Gottes anzufechten? Natürlich hat die Werbeagentur damit Gutes gemeint. Sie wollte, dass man in der Krise sich nicht zurück lehnt und nur auf Gott vertraut, sondern auch selber etwas für die Bedürftigen tut. Dennoch denke ich, dass Misereor mit dieser Kampagne zu weit gegangen.

Misereor kann nicht die Allmacht Gottes in Frage stellen. Von Misereor selbst gibt es zu dieser Kampagne, die bereits von vielen Bloggern und Christen kritisiert wurde, noch keinerlei Reaktion.
Ich denke, ich werde beim ökumenischen Kirchentag mal den Misereor Stand besuchen und einE der hauptamtlichen ChristInnen mal nach der Kampagne fragen. Vielleicht krieg ich dort eine Antwort auf die Frage, was Misereor zu dieser Aktion bewegt hat.

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3 Kommentare zu „Meine Kritik an der Misereor Kampagne“

  • Aljoscha:

    Ich denke, wir haben es hier mit einem typisch religiösen Problem zu tun. Von einer Gruppe Menschen wird eine Behauptung aufgestellt, und sofort hacken aus allen Richtungen andere Menschen drauf.
    Lasst Misereor doch ihre Werbekampagne. Sie schadet niemandem, es fühlen sich nur Menschen persönlich angegriffen, die innerlich nicht genug gefestigt sind, um über so etwas zu stehen. Das ist ja das Schöne an Meinungs- und Glaubensfreiheit. Man kommt nicht mehr für Ketzerei an den Pranger oder wird ausgepeitscht oder gar hingerichtet.
    Die Aufregung darüber ist vollkommen sinnlos.
    Und wenn Gott wirklich alles regeln kann – warum tut er/sie das dann nicht?

  • Naja, das mit der Allmacht ist ja so ne Sache. Im AT steht da El Schaddai, wenn ich mich nicht irre, und diesen Begriff kann man nicht übersetzen, man weiß schlicht nicht, was es bedeutet, es geht wohl irgendwie in die Richtung “El der Brüste”…
    Im NT hat man dann das übernommen, was in der griechischen Version des AT, der sog. Septuaginta geschrieben wurde. Nur haben die Übersetzer damals auch schon nicht mehr jedes hebräische Wort verstanden. Dazu kommt noch, daß Allmacht ein Begriff aus der griechischen Philosophie (also heidnischer Hintergrund) ist.
    Das alles führt dazu, daß man mit einem Begriff wie Allmacht im biblischen Kontext vorsichtig umgehen muß. Er bedeutet nicht unbedingt das, was man landläufig (Einfluß der gr. Philosophie) darunter versteht. Ist so wie bei der Seele…
    Ob sich die Misereor Leute dessen bewußt waren, oder ob sie einfach einen flotten Spruch gesucht haben, steht aber noch einmal auf einem ganz anderen Blatt…

  • Noase:

    Glauben ist so eine Sache.
    Das beste Beispiel ist doch Margot Käßmann, sie Predigt Wasser und selbst Trinkt Sie Wein oder Bier, und das noch in der Fastenzeit !!
    Und “das Wort Gottes” alias “Bibel” wird schon ewig mit neuen “Übersetzungen” dem Zeitgeist angepaßt. ICH verwende bei meiner gelegentlichen Beschäftigung mit diesem Märchenbuch nur die Schlachter-Bibelübersetzung aus der Zeit kurz nach 1900. Alle nachfolgenden Bibelversionen sind total und entstellend zensiert. Und wer klare Bibeltexte zum Thema “Homo” sucht, der sollte die Bibelübersetzung der Zeugen Jehovas verwenden.

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