Die Fußball WM 2010 – Eine Chance für Südafrikas Pressefreiheit?
Dies ist mein Bericht für den Duden Open Jugendwettbewerb 2009. Dieser Text darf nicht ohne meine Genehmigung weiterverwendet werden.
Ein Bericht von Karsten Ludwig
Die Fußball WM steht vor der Tür und die ganze Welt wird auf Südafrika schauen. Doch nicht alles läuft in Südafrikas Demokratie so, wie es eigentlich laufen sollte. Wie ist die derzeitige Situation in dem afrikanischen Land und welche Chancen kann die Fußball WM 2010 für Südafrika mit sich bringen?
Noch knapp 5 Monate, dann werden viele Fußballer und Fans mit großen Erwartungen nach Südafrika aufbrechen. Wahrscheinlich wird die WM ein sportlicher Erfolg für viele Fußballer sein, doch kann die WM auch außerhalb des sportlichen Bereichs ein Erfolg für das Gastgeberland Südafrika sein?
Die bereits jetzt schon exzellent laufende Tourismusbranche wird sicherlich einen gewaltigen Aufschwung erleben: Jegliche Übernachtungsmöglichkeiten in den großen Städten werden wohl von fußballverrückten Fans und Medienvertretern ausgebucht sein. Nach Schätzungen der FIFA wird die Fußball WM in Südafrika 129 000 Arbeitsplätze schaffen. Dies ist jedoch bei über 11 Mio. Arbeitslosen nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Des Weiteren werden, laut FIFA, die Besucher aus der ganzen Welt 21 Milliarden Rand (100 Rand sind ungefähr 9 Euro) zum Bruttoinlandsprodukt beitragen. Dies ist 1/10 des kompletten BIP und somit wird die WM wohl finanziell ein großer Gewinn für das Land.
Doch die südafrikanische Journalistengewerkschaft sieht in der WM auch eine enorme Chance für die Durchsetzung der in der Verfassung festgeschriebenen Pressefreiheit. Obwohl in Südafrika seit 1994 die Apartheid abgeschafft und die Demokratie mit einer Sicherung der Pressefreiheit eingeführt ist, haben kritische Journalisten in Südafrika immer noch Konsequenzen zu erwarten, wenn sie für die Regierung zu gefährlich werden. Auch in China, wo die Olympischen Sommerspiele 2008 ausgetragen wurden, gibt es eine starke Kontrolle der Presse durch die kommunistische Diktatur. Und dies hat sich auch mit den Olympischen Spielen nicht geändert. Zwar ist die Beschneidung der Pressefreiheit in Südafrika nicht so ausgeprägt und systematisch wie in China, jedoch warnen einige Journalisten- und Menschenrechtsorganisationen davor, dass sich das Land in den nächsten Jahren weiter in diese Richtung bewegen könnte. Dazu sagte der Karikaturist „Zapino“, mit richtigem Namen Jonathan Shapiro, in einem Interview mit der Zeitung „Das Parlament“: „Ich glaube, dass Südafrika auf des Messers Schneide steht und man noch nicht sagen kann, wie es ausgeht. Es gibt ein paar Dinge, die sich seit den Wahlen im April entwickeln und auf die setze ich. (…) 1994 war es einfacher zu sagen, wo wir hinsteuern. Auf jeden Fall gibt es Grund für Optimismus, aber auch jede Menge Platz für Kritik.“
Weiterhin sagte „Zapino“, dass der Freiraum, den er zu Anfangszeiten der Demokratie hatte, erheblich größer war als jetzt. „Unter Mandela gab es sogar Anerkennung für Kritiker.“ Von einigen Regierungsmitgliedern werde er als Feind betrachtet. Die einflussreichsten Zeitungsverleger teilen die Meinung der Regierung. Darüber hinaus sei es sehr besorgniserregend, dass der Präsident es für nötig halte, diverse Journalisten zu verklagen und dass es beim öffentlich-rechtlichen Sender SABC vor der Veröffentlichung eine „Überprüfung“ gebe, welche Beiträge gesendet werden können und welche lieber nicht zur Veröffentlichung freigegeben würden. Auch auf der weltweiten Rangliste der Pressefreiheit, die jährlich von der Organisation „Reporter ohne Grenzen“ veröffentlicht wird, stand Südafrika 2007 nur auf Platz 43.
Nachdem der BBC im Jahr 2007 über die hohe Kriminalitätsrate in Südafrika berichtete, wurde der Sender im staatlichen Fernsehen von der Regierungspartei im nationalen Kongress als rassistisch bezeichnet und die Bürger wurden dazu aufgerufen die Arbeiten des BBCs zu behindern. Inoffiziell würde damit gedroht, kritischen südafrikanischen Sendern die Lizenz zu entziehen, falls sie „sich falsch verhalten“, so ein afrikanischer Reporter, der nicht namentlich erwähnt werden möchte.
Auch die anhaltende Vetternwirtschaft und Korruption ist in Südafrika ein großes Problem. Zwar wurde Jacob Zuma, damaliger Vizepräsidenten, jetzt Präsident, in einem Prozess gegen seinen Finanzberater wegen Korruption nicht verurteilt, trotzdem sagte der zuständige Richter, dass das Verhältnis zwischen Zuma und seinem Finanzberater ein “zutiefst korruptes” gewesen sei.
Zumas Finanzberater war im Jahr 2005 wegen Betrugs und Korruption zu einer Haftstrafe von 15 Jahren verurteilt worden. Der Finanzberater hatte jahrelang Überweisungen in Höhe von mehr als 1,2 Millionen Rand an Zuma getätigt und dafür politische Vorteile für ein Waffengeschäft erhalten. Auch war der Finanzberater aktiv an der Vermittlung einer Schmiergeldzahlung des französischen Rüstungskonzern Thales an Zuma beteiligt.
Der Prozess gegen Zuma selbst scheiterte nur an Verfahrensfehlern, was unter anderem von dem Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu scharf kritisiert wurde. Als Reaktion auf die Verurteilung seines Finanzberaters und die daraufhin aufgedeckten Beteiligungen des damaligen Vizepräsidenten Zumas an zwielichten Finanzgeschäften ist dieser vom damaligen Staatschef Thabo Mbeki aus seinem Amt entlassen worden.
Abschließend kann man also sagen, dass die WM nicht nur wirtschaftlich ein Gewinn für Südafrika sein kann. Es gibt weiterhin die Chance, bevor die komplette Weltöffentlichkeit auf das Land an der Südspitze Afrikas schaut, dass Korruption und Vetternwirtschaft transparent und nachhaltig bekämpft werden. Außerdem kann man hoffen, dass sich die Regierung, unter den Augen der Weltöffentlichkeit, nicht traut Reporter, Karikaturisten oder andere Vertreter einer freien Presse unter Druck zu setzen. Vielleicht merkt die Regierung während der WM, dass eine freie Presse keine Bedrohung, sondern eine große Chance und ein Gewinn für das Land ist.